Weißes und Braunes Exposé(frei nach den Aufzeichnungen einer jungen Frau, die nicht genannt werden möchte) |
||
|
Aus der Perspektive der Tochter einer heroinabhängigen Frau in einer westdeutschen Großstadt erfahren wir etwas von der Wirklichkeit eines Drogenschicksals, das sich nicht im Ghetto, sondern mitten in unserer bürgerlichen heilen Welt abspielt. In einem ganz normalen Wohnviertel ohne grosse soziale Konflikte versucht die jugendliche Monika jahrelang die Heroinabhängigkeit ihrer Mutter Manuela zu vertuschen. Das soziale Umfeld reagiert auch bereitwillig auf jeden beruhigenden Erklärungsversuch des Mädchens, nur um der unbequemen Wahrheit aus dem Weg zu gehen - Monika in ihren Aufzeichnungen: "Jeder glaubte mir, außer ich, ich glaubte kein Wort mehr von mir"! Der Ehemann aus bestem adligen Haus hat die Familie längst verlassen und arbeitet in Übersee, der ältere Bruder Guido wählt den Weg der Verachtung seiner kranken Mutter und der Überanpassung an die Normen seines Umfeldes, besonders seiner Großeltern. Wir werden Zeuge des verzweifelten Versuchs von Moni die Mutter zu lieben und gleichzeitig "normal" leben zu können. Als Manuela den kleinen Moritz zur Welt bringt, wird die Belastung für Monika immer grösser. Nachdem verschiedene Heilungsversuche gescheitert sind und die Familie nun doch sichtbar auseinander bricht, trennen sich kurzzeitig die Wege von Manuela und ihrer Tochter, die in Ahmed einen verständnisvollen Freund findet, dem sie sich ganz langsam zu öffnen beginnt. Als es am Ende dann - auch durch die Gleichgültigkeit der Umgebung - zur Katastrophe kommt, deutet sich Monis künftiger Weg an und die junge Frau beweist ihre ganze Stärke, indem sie als einzige nicht nach einer einfachen Lösung sucht, sondern weiterhin Hoffnung und Liebe auch und gerade für ihre Mutter Manuela behält. Die 18-jährige Monika beginnt in ihrem neuen Zuhause, das sie gemeinsam mit ihrem etwas älteren Bruder bewohnt, ihre Lebenserinnerungen aufzuzeichnen. Wir erfahren von ihrer drogensüchtigen Mutter und den Hindernissen, mit denen denen sich Monika konfrontiert sah. In einer unaufgeräumten Wohnung streitet sich Manuela wieder einmal mit ihrem neuen Freund Peter. Die 14-jährige Monika und ihr älterer Bruder Guido werden erneut um den Schlaf gebracht, als die Mutter im Rausch ihren Freund beinahe mit einem Stuhl erschlägt. Wegen der Eskalation werden die Kinder zu ihren, von Monika gehassten, Grosseltern ziehen müssen, bis sich ihre Mutter wieder etwas gefangen hat. Am nächsten Tag in der Schule ist das junge Mädchen hungrig und unkonzentriert. Für die banalen Alltagssorgen ihrer Mitschüler fehlt ihr natürlich das Verständnis. Sie weiss, dass sie nach dem Unterricht bei den Grosseltern als Störenfried aufgenommen wird und die mit ansehen muss, wie ihr angepasster Bruder verhätschelt wird. Die Oma macht ihrer Mutter dann auch gleich Vorwürfe und sagt Monika das gleiche Schicksal voraus. Um der schlechten Stimmung im Hause zu entgehen, besucht Monika am Nachmittag ihre Schulfreundin Sabine, deren Vater Polizeibamter ist. Aus Langeweile besuchen die beiden Mädchen einen neu hinzugezogenen Nachbarn, Herrn Bracker, der nett und verständnisvoll auf die Jugendlichen eingeht, sich dann aber als sexuell gestörter Mann entpuppt und sie sexuell bedrängt. Im letzten Augenblick können sich die Freundinnen den Attacken entziehen. Die Mädchen beschliessen über das Geschehen zu schweigen, was vor allem in Monikas Interesse ist, die gelernt hat, dass man möglichst alle Schwierigkeiten unter den Teppich kehrt. Später am Tag treibt sich Moni noch mit einer Schar von Freundin am Bahnhof herum und kommt zum ersten Mal ihrem Klassenkameraden Ahmed etwas näher. Zur gleichen Zeit wird Manuela von der Polizei völlig betrunken aufgegriffen und aufs Revier gebracht. Hier sieht der Vater von Monikas Freundin Herr Petzold den Zustand der Frau und bringt sie nach Hause. Wieder bei den Grosseltern, warten dort schon Sabine Petzold und ihr Vater, um mit Monika über die Sache mit dem Nachbarn Herr Bracker zu sprechen, die Sabine ihrem Vater doch anvertraut hat. Heinz und Berti geben ihrer Enkelin die Schuld an den Vorkommnissen und machen ihr schwere Vorwürfe. Herr Petzold fährt Monika zurück in die Wohnung zu ihrer Mutter. Dort ist eine wilde Junkie-Party in vollem Gange mit der schwangeren Manuela mittendrin. Als Monika kommt, luchst die schon abgefüllte Mutter ihr das Geld ab, das sie von den Grosseltern für die Schule erhalten hat. Monika scheint das zu kennen und findet sich schnell damit ab. In der Gruppe von Süchtigen scheint sie überdies von größerer sozialer Kompetenz zu sein als bei den Großeltern. Ihre Erfahrungen mit der Mutter erkennt man schon daran, dass sie mühelos Röhrchen zum Heroinkonsum herstellt. Am nächsten Morgen in der Schule fehlt Moni natärlich das Geld für den Theaterbesuch der Klasse. Der Lehrer reagiert der Einfachheit halber nur streng auf das nun dritte Ausbleiben der Zahlung. Auf Ahmeds Zuwendung und stummes Hilfsangebot reagiert sie aus ihrem gelernten Misstrauen ablehnend und verletzend. Von der Schule heimkommend, findet Moni die völlig verkaterte Mutter in einer leergeräumten Bude wieder. Ihre Drogenfreunde haben den Fernseher und alles andere Verwertbare mitgehen lassen. Der Trostlosigkeit der Wohnung entfliehen die Beiden in die Trostlosigkeit eines Parks, der vielen Süchtigen als "Platte" dient. Monika übernimmt die Botengänge zum Drogenkauf für ihre Mutter routiniert. Nach der Geburt von Moritz führt Monika nun den ohnehin desolaten Haushalt ihrer Mutter auch noch mit der zusätzlichen Belastung der Versorgung eines Säuglings. In dieser eh schon schweren Lage muss sie feststellen, dass ihre Mutter wie auch ihr Freund Peter nun auch noch angefangen hat, sich das Gift zu spritzen und nicht mehr nur per Röhrchen zu inhalieren. Im Streit verletzt sich Monika den Finger, als er sich in der zugeschlagenen Tür verklemmt und sie sucht Ablenkung bei ihren Freunden. Beim Schauen eines Horrorvideos kommt Monika wieder ihrem Freund Ahmed näher, ohne sich ihm aber tatsächlich öffnen zu können. Ihre Scheu und ihr Misstrauen sind stärker als ihre beginnende Liebe zu dem Jungen. In ihren Träumen und Wünschen findet sie indes längst die so ersehnte Geborgenheit bei dem sympathischen Marokkaner. Während Moni wieder daheim von einer gemeinsamen Zukunft mit Ahmed träumt, klingelt das Telefon und die Großmutter ruft an. Wie immer versucht Moni die Probleme ihrer Mutter zu vertuschen. Ihr Bruder aber ergreift wieder einmal Partei gegen die drogensüchtige Manuela und berichtet der Oma von den schlimmen Zuständen, was seine Schwester wütend macht. Auch bei der Versorgung des kleinen Bruders ist ihr Guido keine Hilfe, der auch als Moritz offensichtlich krank ist, völlig gleichgültig reagiert. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf, in der sich das Mädchen um den schreienden Säugling gekümmert hat, liegt am Morgen die Mutter auch noch bewußtlos im Bad und braucht ebenso die Hilfe der Tochter. Durch diese Belastung geschwächt schläft Monika in der Schule ein und erfährt wieder einmal das Unverständnis und die Strenge des Lehrpersonals. Wieder schlägt sie aus Angst ein Hilfsangebot von Ahmed aus. Die Situation in der Familie wird immer schlimmer, immer öfter sind Manuela und Monika "auf Platte", sogar mit dem kleinen Moritz, was die drogenabhängige Frau als Vorteil ansieht, da die Polizei bei Frauen mit kleinen Kindern weniger misstrauisch ist. Das Geld für die Drogen verdient sich Manuela immer mehr mit Dealen, wobei Monika helfen muss. Das Drücken des Giftes wird zum Alltag in der Wohnung, in der Monika erwachsen wird und der kleine Moritz Laufen lernt. Guido orientiert sich immer mehr zu den Großeltern und die Mutter deutet an, dass ihr Vater Heinz sie einst sexuell bedrängte. In wachen Momenten hat sie Angst um ihre Tochter, wenn diese bei den Großeltern ist. Nach einem weiteren gewalttätigen Streit mit Peter wirft Manuela den Mann aus der Wohnung, was mitten in der Nacht den Unwillen der Nachbarn herausfordert. Als Monika am nächsten Morgen zur Schule will, wird sie von der Nachbarin beschimpft und fürchtet wieder einmal, dass das ganze Ausmaß der Krise nicht mehr zu verheimlichen sein wird. Auch in der Schule werden ihre Schwierigkeiten größer, als der Lehrer eine im Drogenrausch getätigte Unterschrift der Mutter nicht akzeptiert. Monika lügt wieder einmal etwas von Krankheit und Medikamenten. Wieder daheim haben sich Peter und ihre Mutter natürlich wieder versöhnt und es geht weiter. Vermutlich auf den Hinweis der Nachbarin hin greift schließlich die Polizei ein. Herr Petzold hat die undankbare Aufgabe gemeinsam mit Kollegen die Verhältnisse bei Manuela auf Straftaten zu untersuchen. Als die Drogen, mit denen Peter und Manuela handeln, gefunden werden, heisst es für Guido und Monika wieder einmal zu den Großeltern in Obhut zu gehen. Diese weigern sich, den kleinen Moritz, mit dem sie ja nicht verwandt sind, aufzunehmen. Unter der Last der Ereignisse ist Monika am nächsten Tag in der Schule das erste Mal so unvorsichtig, die Wahrheit über ihre Lebensumstände einer Freundin anzudeuten. Als diese gleich mit Sensationsgier auf die Nachricht der Verhaftung von Monis Mutter reagiert, nimmt Monika alles wieder zurück und redet sich mit dem Hinweis auf einen Scherz heraus, was sie auch nicht beliebter bei den Klassenkameradinnen macht, die sie nicht mehr verstehen, oder besser nie verstanden haben. Das Leben bei den Großeltern wird für Monika immer mehr zur Qual und vor allem der Großvater legt ein immer seltsameres Verhalten an den Tag, was Moni langsam an die Vorwürfe ihrer Mutter sexuellen Mißbrauch betreffend glauben lässt. An einem solch trostlosen Tag flüchtet sich Monika schließlich in die ersehnten Arme von Ahmed. Beim Herumstreunen auf dem Bahnhofsgelände verursachen die Jugendlichen fast eine Katastrophe und Monika landet bei der Polizei. Die Großeltern reagieren auf die eigentlich undramatisch ausgegangene Sache mit äußerster Strenge und Monika kehrt wieder in den mütterlichen Haushalt zurück. Die Mutter stirbt fast bei einer gefährlichen Überdosis und kommt in eine Therapie, in der die unangepasste und anpassungsunfähige Frau an den regiden psychologisierenden Ritualen eine solchen Gruppe scheitert. Manuela findet sich nicht zurecht und erscheint nicht therapierbar, während zur gleichen Zeit Monika bei den Großeltern eine ähnliche Erfahrung von Hoffnungslosigkeit macht. Zufällig erfährt Monka schließlich, dass ihre Mutter die Kur abgebrochen hat und wieder mit Moritz zu Hause lebt. Weinend bricht sie zusammen und findet in ihrer Verzweiflung endlich den Mut - oder die Ohnmacht? - sich einem Menschen, nämlich Ahmed, zu öffnen. Dieser hilft ihr, die völlig fertige Mutter noch einmal zu retten und damit auch den kleinen Bruder. Nach dem gemeinsamen Ausstehen dieser neuerlichen Katastrophe werden Ahmed und Monika endgültig ein Paar. Ein neuerlicher Therapieversuch in einer Kurklinik im Sauerland scheint Manuela gut zu tun. Sie macht Pläne für die Zukunft, in denen aber die nun fast erwachsene Monika nicht mehr vorkommt. Nach der Kur zieht Manuela in eine andere Stadt. Der erhoffte Umschwung in ihrem Leben bleibt aber auch dort aus, auch wenn sie gemeinsam mit ihrem neuen Freund, einem Ex-Junkie wie sie, zunächst mit Unmengen Alkohol nur scheinbar die Sucht überwindet, da der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird. Nur noch per Telefon erlebt Monika die Depressionen und Krisen der Mutter mit, die nur noch die Verantwortung für den kleinen Moritz am Leben zu halten scheint. Monika, die inzwischen die Wohnung mit ihrem Bruder bezogen hat und mit Ahmed fest zusammen ist, entschließt sich ihre Mutter einmal in Münster zu besuchen. Der Freund wird sie mit seinem neuen Auto hinfahren. Zur gleichen Zeit will Manuela nur kurz auf eine Sprung aus der Wohnung und lässt Moritz ohne Aufsicht zurück. Wie das bei drogenkranken Menschen so ist, wird aus der geplanten kurzen Abwesenheit eine lebensgefährliche Spanne für den kleinen Bruder von Monika. Als Monika und Ahmed am nächsten Tag bei der Wohnung eintreffen, ist es bereits zu spät und der Kleine hat sich aus Durst und Hunger tödlich vergiftet. Die Mutter wird schließlich auch von irgendwelchen Saufkumpanen verprügelt gefunden und in ein Krankenhaus eingeliefert. Alles ist so schlimm, oder noch schlimmer, gekommen, wie es zu befürchten war: ein totes Kind, eine kaum noch lebensfähige Mutter und eine hilflose Monika. Doch gemeinsam mit Ahmed ist die junge Frau am Ende gewillt mit Zuversicht und Hoffnung ihr Leben mit einem besseren Schicksal weiter zu führen als ihre gescheiterte Mutter. Ursula Heger & Dieter Matten
|
||