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Die Rheiners Exposé

 

 

"Die Rheiners" ist eine Komödie, die aus der Vielseitigkeit und Widersprüchlichkeit des Rheinlandes ihr Potential schöpft, ein "Doppeltes Lottchen" für Erwachsene.

Zwei Halbbrüder, die nichts voneinander wissen, begegnen sich in einem Moment tiefster Unzufriedenheit mit ihrem jeweiligen Leben und beschließen die Existenzen zu tauschen. Der in Köln aufgewachsene Reiner Landers, auserkoren ein großer Wirtschaftsanwalt zu werden und der in der Eifel groß gewordene Rainer Boemer, künftiger Erbe einer Landwirtschaft, versuchen sich im Umfeld des jeweils anderen zurecht zu finden.

Dieter Landers, Sohn einer Kölner Rechtsanwaltsdynastie, will 1981 seine Urlaubsbekanntschaft aus dem Pfadfinderlager Uschi Reuter heiraten. Die junge Frau aus der tiefsten Nordeifel gerät über die Hochzeitspläne in Streit mit ihrem Vater Günter. Auch die besorgte Reaktion der Zwillingsschwester Hanna sieht sie als Eifersucht an. Noch vor der Vermählung bricht Uschi alle Kontakte mit der Familie ab und fährt zu ihrem Verlobten in die Großstadt. Nur mit Dieters Freunden und Verwandten wird Hochzeit gefeiert. Die Jungvermählten ziehen in ein geräumiges Einfamilienhaus.

Von Ehrgeiz getrieben will Uschi mit ihrem Mann eine perfekte Familie schaffen. Gleich nach der Vermählung drängt sie auf Nachwuchs. Schon nach wenigen Monaten erfolgloser Versuche geht sie zum Arzt, der keine Probleme feststellen kann. Wissenschaftlich genau rechnet Uschi im Folgenden Eisprünge und Planetenstände aus, um den besten Zeitpunkt zur Befruchtung herauszufinden. Dieter findet das nicht besonders romantisch und es kommt immer öfter zum Streit.

Die Landers erhalten einen Brief aus dem Eifeldorf der Reuters. Eine Tante mit kleinem Vermögen ist gestorben. Wegen der Erbangelegenheit ist die Anwesenheit von Uschi oder ihrem Mann erforderlich. Uschi weigert sich ihre verhasste Familie zu sehen und schickt Dieter los. Natürlich muss er am letzten Abend vor der Abreise einen neuen Versuch der Befruchtung über sich ergehen lassen. Diesmal passte alles: Reiner Landers ist in dieser Sekunde gezeugt!

In dem Eifeldorf lernt Dieter die Familie seiner Frau kennen. Er ist fasziniert von der optisch so ähnlichen und charakterlich so sehr verschiedenen Hanna. Am letzten Abend seines Aufenthaltes auf dem Land verlebt er so harmonische Stunden mit Hanna, dass sie gemeinsam im Bett landen. Schuldbewusst reist Dieter am nächsten Tag nach Köln. Uschi versichert ihm, dass er sich keine Sorgen machen muss, sie lasse ihn und ihre Schwester in Ruhe.

Dieter ist wieder in Köln und es ist beschlossen, dass es keinerlei Kontakt mehr zu Reuters geben wird. Uschi kommt vom Arzt mit der guten Nachricht, dass sie tatsächlich schwanger ist.

Zur gleichen Zeit erkennt auch Hanna, dass ihre Nacht mit Dieter nicht ohne Folgen geblieben ist. Nach einer kurzen Beratung mit der Familie wird die Angelegenheit nach Dorfmanier erledigt. Eine "Schnellheirat" mit dem Sohn des Nachbarbauern Horst Boemer legitimiert die ganze Angelegenheit. Nach sehr kurzen 7 Monaten kommt Dieters Landers Sohn als Rainer Boemer auf die Welt.

Wir sehen Reiner Landers Kindheit und Jugend in der Stadt. Die hysterische Mutter Uschi ist gewillt, ihn mit ehrgeiziger Zielstrebigkeit zum Elitesprössling zu machen. Er lebt in einem elitären Internat, lernt schon als Kind Golfspielen und ist von Luxus umgeben. Als Abwehr gegen die Fremdbestimmung durch die Mutter entwickelt Reiner eine sentimentale Sehnsucht nach der Natur und dem Landleben. Er erträumt für sich die Ruhe eines Lebens als alternativer Landwirt. Um wenigstens ein Stück davon in der Stadt zu realisieren wird er zum Greenpeace-Unterstützer und Öko-Freak. In einem Demeter-Laden lernt er Maria kennen, die von einem Bauernhof stammt und sich in der Stadt nie einleben konnte. Die beiden werden ein Liebespaar. Uschi Landers ist mit der Wahl ihres Sohnes nicht zufrieden. Sie hält die Augen auf nach einer "besseren" Partie.

Zur gleichen Zeit wächst Rainer Boemer in dem Eifeldorf auf. Der Unterschied zur Stadt ist so groß, dass es unglaubhaft erscheint, dass diese Orte in einem Bundesland, ja in einem Staat liegen. Sein vermeintlicher Vater Horst ist ein Bauer mit Leib und Seele, was er auf seinen Filius übertragen möchte. So erlebt Rainer ähnlich wie sein Halbbruder Reiner ein diktiertes Leben. Rainers Charakter sind die Freuden des Landlebens fremd. Die harte Arbeit auf dem Feld macht ihm keinen Spaß, vor Tieren hat er Angst. Das Aufblasen von Fröschen bis zum Platzen lässt ihn Erbrechen und auch die sexuelle Attraktion des Saugreflexes von Kälbern bleibt ihm schleierhaft. Rainer leidet angesichts der Enge des bäuerlichen Lebens und der empfundenen Eintönigkeit der Natur. Er entwickelt im Gegenzug eine starke Sehnsucht nach dem Stadtleben und dem großen Business. In jeder freien Minute sitzt er am Computer und hat per Internet Anteil am Wirtschaftsleben. In einem Chatroom lernt er Julia kennen und lieben, die seine Interessen teilt. Wann immer es geht fährt er mit der Bahn nach Köln und besucht seine Freundin. Horst ist von dieser Wahl entsetzt, da dieses moderne, städtische Mädchen sicher niemals eine gute Bäuerin werden wird.

Uschi Landers schaut sich ebenso nach einer passenden Freundin für ihren Sohn um wie Horst Boemer für seinen Sohn. Über eine Freundin entdeckt Uschi die junge Julia, die so exakt ihren Vorstellungen einer Schwiegertochter entspricht, dass es für sie klar ist, dass Reiner sie heiraten muss. Dass Julia einen Freund auf dem Land irgendwo hat, erscheint ihr nicht als großes Hindernis. Auch Horst findet schnell die perfekte Hausherrin für den Hof, den er an Rainer weitergeben will. In einem Nachbardorf ist die junge Maria bei ihrer Familie zu Besuch, die sicher eine tüchtige Bäuerin abgeben würde. Den Freund in der Stadt wird sie nach Horsts Meinung sicher schnell vergessen, wenn sie erst mal Rainer gesehen hat.

Der 18. Geburtstag von Rainer und Reiner wird gefeiert. Reiner bekommt standesgemäß einen Jaguar als erstes Auto von seinen Eltern geschenkt. Höflich bedankt er sich für das Präsent, sähe sich mit Maria aber lieber in einer "Ente" übers Land kutschieren. Genau ein solches Auto - auch noch als Pickup - bekommt zur gleichen Zeit Rainer als Gebrauchtwagen von seinen Eltern zum Geburtstag. Auch er freut sich pflichtgemäß, sehnt sich aber eher nach einer Limousine, mit der er in der Stadt kreuzt, Julia an seiner Seite.

Die beiden so unterschiedlichen Geburtstagsfeiern gehen weiter. Sekt und Kanapees hier, Bier und Spanferkel dort. Reiner hat zu seiner Feier Maria eingeladen und gibt seinen Eltern ihre Verlobung bekannt. Dieter Landers freut sich für seinen Sohn, während Uschi einen Riesenkrach anfängt. Sie nennt Maria in einem unbeobachteten Moment ein Landei und macht ihr Vorwürfe, dass sie das Leben von Reiner zerstöre. Maria sagt Reiner, dass sie dessen Familie unmöglich ertragen kann und läuft weinend davon. Reiner hat daraufhin eine unversöhnliche Auseinandersetzung mit seiner Mutter. Er setzt sich verzweifelt ins Auto und fährt davon. Er steuert den Jaguar auf die Landstrasse in Richtung Eifel.

Zur gleichen Zeit führt auch Rainer Boemer seine Julia den Eltern vor und gibt die geplante Heirat bekannt. Auch hier freut sich ein Elternteil - Hanna - für den Jungen und der andere - Horst - ist entsetzt. Nach schweren Vorwürfen vom Bauer, sie sei eine verwöhnte Stadthure und versaue das Leben seines Sohnes, verlässt Julia fluchtartig Rainer und die Feier. Wie sein Halbbruder in der Stadt bekommt dieser daraufhin einen Riesenstreit mit Horst und fährt mit der Ente davon. Er steuert auf die Landstrasse in Richtung Köln.

Rainer und Reiner fahren in entgegengesetzter Richtung über die völlig leere Strasse. Beiden erscheint ihre Existenz völlig aus dem Ruder gelaufen. Es ist wohl aussichtslos die eigenen Vorstellungen von einem glücklichen Leben verwirklichen zu können. Sie sind so verzweifelt, dass sie darüber nachdenken einfach vor einen Baum zu fahren. Just in diesem Moment fahren sie aneinander vorbei. Sie erblicken quasi ihr Spiegelbild im Vorüberfahren. Reiner fährt so seinen Jaguar in den Graben und Rainer seine Ente ebenso. Entgeistert steigen die beiden aus ihren kaum beschädigten Fahrzeugen und versuchen das Alles zu begreifen.

Froh, dass der Unfall so glimpflich abgelaufen ist, beschließen die Beiden einen Umtrunk in einer nahen Dorfkneipe. Schnell werden die Zusammenhänge einigermaßen deutlich und die Beziehungen der Familien klar. Trotz der großen Ähnlichkeit, die sie auf die Mütter schieben, die ja Zwillingsschwestern sind, ahnen sie noch nicht, dass sie den selben Vater haben. Natürlich hat man viel zu erzählen und damit auch zu trinken, so dass die Brüder bald völlig betrunken sind. Der Dorfwirt bietet ihnen eine Kammer an, in der sie übernachten können. Hier hecken sie den verrückten Plan aus, ihre Leben zu tauschen.

Mit den üblichen Verwicklungen und Missverständnissen leben sich die Halbbrüder im Leben des jeweils anderen langsam ein. Das eine oder andere Telefonat ist notwendig, um nötige Informationen heranzuholen, deren Nichtwissen nur schwer zu erklären wäre. Als Rainer (nun als Reiner unterwegs) plötzlich Ehrgeiz zu entwickeln scheint ist Uschi hocherfreut. Ihr vermeintlicher Sohn entwickelt ein neues Konzept für die Kanzlei des Vaters. Rainer ist auf die Idee gekommen, dass die große Anzahl von Kleinaktionären nicht ausreichend juristisch vertreten sind und dass dort viel Geld in Prozessen gegen die großen Aktiengesellschaften zu machen ist. Zur gleichen Zeit ist auch Horst entzückt darüber, dass sein Sohn (der ja in Wirklichkeit Reiner ist) sich plötzlich für den Hof interessiert. Die Idee einen ökologischen Musterhof daraus zu machen gefällt dem Bauern vor allem, als er hört, dass damit viel zu verdienen ist.

Uschi meint, dass sich ihr Sohn so prächtig entwickelt und auch die Trennung von Maria so gut überstanden hat, dass es Zeit für eine neue Freundin wird. Sie arrangiert ein Treffen mit der von ihr ausgemachten Wunsch-Schwiegertochter Julia. Rainer ist natürlich hocherfreut, als er seine alte Freundin so erneut kennenlernt. Die Mutter wundert sich zwar über die schnell hergestellte Intimität des Paares, kommt aber natürlich nicht darauf, dass sie sich bereits seit Jahren kennen.

Auch Horst lädt für den Sohn die von ihm ausgewählte Ehefrau Maria ein, die auch völlig verdutzt ihrem Verflossenen gegenüber steht. Alles läuft so ab wie im Hause Landers, man wundert sich zwar über die Geschwindigkeit, ist aber zufrieden mit der Entwicklung.

Nach einiger Zeit bemerken die Halbbrüder, dass sie genau mit den Dingen zu tun haben, vor denen sie geflohen sind: Der Ökohof von läuft so gut, dass er sich ausschließlich darum zu kümmern hat, das viele erwirtschaftete Geld zu verwalten. Rainer hat als Klienten vorwiegend idealistische, fast alternative Klienten, die den "kapitalistischen Profitwahnsinn" von innen zu bekämpfen suchen. Während Horst und Uschi rundherum zufrieden sind, erleben Hanna und Dieter eine immer größere Entfremdung von ihrer Familie. Die beiden Ehen drohen zu scheitern.

Hanna will Horst verlassen und öffnet sich ihrem vermeintlichen Sohn. Sie erzählt ihm, dass sein Vater eigentlich Dieter Landers, der Mann ihrer Schwester ist. Diesem wird somit die ganze Verwicklung bewusst.

Gleichzeitig findet ein ähnliches Gespräch zwischen Dieter Landers und Rainer statt. Auch er erzählt davon, dass er Hanna nicht vergessen kann, weiß aber natürlich nicht, dass er mit seinem Sohn, den er eben mit Hanna hat, spricht. Rainer bleibt verwirrt zurück und ruft seinen Halbbruder an.

Am Ende löst sich die ganze rheinische "Heimatgeschichte" in einem allgemeinen Happyend auf: Hanna und Dieter werden von den Söhnen zusammen gebracht, die Kanzlei wird auf den großen Hof verlegt und drei Paare leben dort gemeinsam: Reiner und Maria, Rainer und Julia, Dieter und Hanna. Horst und Uschi lernen sich bei der Gelegenheit auch kennen und seltsamerweise sogar lieben. Sie lassen sich großzügig auszahlen und verschwinden in eine gemeinsame Zukunft.

Ursula Heger & Dieter Matten
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